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Laienreanimation beim kindlichen Ertrinkungsunfall

Kyriacou DN, Arcinue EL, Peek C, Kraus JF
Quelle: Pediatrics 94:137-142, 1994
Kommentar: J.T. Niemann, M.D.
Übersetzung: Lewan U, ANR der LMU München


Einleitung

Bei Kindern gehört der Ertrinkungsunfall zu den häufigsten Verletzungs- und Todesursachen. Das besondere Schädigungsrisiko bei Submersionsunfällen rührt von der Hypoxämie mit nachfolgender Beeinträchtigung der Hirnfunktion her. Der wichtigste Schritt zur zerebralen Protektion stellt die frühestmögliche Wiederherstellung einer effektiven pulmonalen Ventilation dar. Der Einfluß sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen noch vor Eintreffen professioneller medizinischer Hilfe bei kindlichen Ertrinkungsunfällen wurde untersucht.

Methode

Die Verläufe von 166 bis zu 14 Jahre alten Kindern nach Submersionsunfall mit Apnoe oder signifikanter Atmeninsuffizienz wurden analysiert. Daten zum Unfallhergang, zur Atmung, evtl. sofortigen Wiederbelebungsversuchen und Behandlungsergebnissen wurden unter Berücksichtigung der möglicherweise verzerrenden Effekte von Alter, Geschlecht, Rasse, Dauer der Submersion und Hypothermie gesammelt. Diese Variablen wurden bei den »Fallkindern«, definiert als jene mit schlechtem Ergebnis (Tod oder anoxische Enzephalopathie), und bei »Kontrollkindern«, definiert als solche mit gutem Ergebnis (keine neurologischen Schäden oder leichte anoxische Enzephalopathie). Die Wiederbelebungsbemühungen wurden in vier Stufen eingeteilt: CPR oder Mund-zu-Mund Beatmung; Thorax-Rücken-, oder Abdominalkompressionen ohne Mund-zu-Mund Beatmung; taktile Stimulation oder Lagerung; lediglich Bergung aus dem Wasser.

Ergebnis

74,7% der 166 Patienten zeigten normale neurologische Funktion, 7,2% hatten eine leichte, 4,8% eine schwere anoxische Enzephalopathie und 13,3% starben. Mund-zu-Mund Beatmung oder CPR wurde bei 75,3% der Patienten durchgeführt, 7,8% erhielten Thorax- Rücken- oder Abdominalkompressionen, 6% wurden taktil stimuliert oder gelagert, 10,8% blieben ohne Wiederbelebungsversuche. Insgesamt war die versuchte Reanimation signifikant mit einem guten Ergebnis verbunden (Tabelle). CPR oder Mund-zu Mund Beatmung waren mit einem deutlich besseren Ergebnis assoziiert im Vergleich zu unterlassenen Reanimations-maßnahmen. Sowohl längere Submersionsdauer als auch Hypothermie waren mit einem schlechten Ergebnis korreliert. Nach Abgleich der Variablen waren Kinder mit gutem Ergebnis 4,75 mal eher mit sofortigen Reanimationsbemühungen behandelt worden als Kinder mit schlechtem Ergebnis.

Tabelle: Sofortige Reanimation und klinisches Ergebnis nach Submersionsunfall
 
Ergebnis
Gesamt
 
Gut
Schlecht
Reanimationsbemühungen (Gruppen I-III)
126 (85,1%)
22 (14,9%)
148
keine Reanimationsbemühungen (Gruppe IV)
10 (55,6%)
8 (44,4%)
18
Gesamt
136 (81,9%)
30 (18,1%)
166
Beachte: Chi2 = 9,48; p = 0,0021

Diskussion

Sofortige Wiederbelebungsversuche verbessern die neurologische Prognose nach Submersionsunfällen. Eltern, Verwandte und Betreuungspersonal sollten daher effektive Ventilationstechniken zur Beatmung von Kindern erlernen.

Kommentar

Diese retrospektive Studie umfaßt etwa 8 Jahre von Mitte 1984 bis Mitte 1992, während derer das präklinische Behandlungssystem in Los Angeles zum Teil geändert wurde. Es wurden z.B. pädiatrische Notfallzentren eingerichtet und von der Amerikanischen Klinikgesellschaft und dem Amerikanischen Roten Kreuz Empfehlungen zur Wiederbelebung von Ertrinkungsopfern herausgegeben. Der Einfluß weiterführender Therapiemaßnahmen auf das Ergebnis wurde in dieser Studie nicht berücksichtigt. Des weiteren ist die Einteilung der in der Arbeit definierten Ergebnisgruppen kritisch zu betrachten. Das neurologische Ergebnis wurde anhand nicht angeführter Kriterien zum Zeitpunkt der Entlassung aus der Klinik entweder als gut oder schlecht definiert. Meiner Meinung nach ist diese Gruppierung unrealistisch und zu grob.

Das Studienergebnis weist jedoch draufhin, daß eine Ausbildung der Personen, die als erste am Unfallort sind, in Beatmungstechniken zur primären Reanimation sinnvoll ist. Thoraxkompressionen oder Kompressionen anderer Körperteile ohne Atemspenden waren so wenig effektiv wie das Unterlassen jeglichen Wiederbelebungsversuchs.

© 2010 Arbeitskreis Notfallmedizin und Rettungswesen e.V.
an der Ludwig-Maximilians-Universität München

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