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Atemgifte


Ereignisse in jüngster Zeit haben wieder einmal deutlich gemacht, daß bei Bränden weitaus mehr Menschen durch Rauch als durch das Feuer selbst zu Schaden kommen.

An Einsatzstellen ist deshalb stets mit dem Auftreten von Atemgiften oder Sauerstoffmangel zu rechnen. Atemgifte sind in der Luft vorhandene Fremdstoffe, die beim Einatmen in den Körper gelangen und dort schädigend wirken. Gewöhnlich sind sie in der Luft fein verteilt und können fest, flüssig oder gasförmig auftreten. Nicht immer ist das wahrscheinliche Vorhandensein von Atemgiften schon von weitem an der Rauchentwicklung erkennbar wie im nachfolgenden Bild.

Rauchentwicklung

Atemgifte können auch schwerer als Luft sein und dann in tiefer gelegene Räume gelangen. Atemgifte, die leichter als Luft sind steigen auf und sind deshalb nur in der unmittelbaren Nähe der Austrittsstelle in hohen Konzentrationen anzutreffen. Dagegen können sie sich in Gebäuden rasch in gefährlichen Mengen ansammeln.

Der bei einem Brand entstehende Rauch ist ein Aerosol, das hauptsächlich aus Brandgasen und festen Teilen besteht. Diese verschiedenen Stoffe können für unseren Körper schädlich sein. Die Zusammensetzung des Rauches hängt von der Art des brennbaren Stoffes, von der Luftzufuhr und von der Temperatur ab. Sie ist also auf jeder Brandstelle anders.

Die Brandgase sind gasförmige Gemische aus bei Bränden entstehenden Oxiden, inerten Anteilen und Pyrolyseprodukten (DIN 14011).

Feste Teilchen im Rauch können z.B. Ruß, Holzkohle oder Flugasche sein. Wenngleich sich der Brandrauch im Zeitalter der Kunststoffe aus einer Vielzahl von Komponenten zusammensetzt, so ist dennoch das Kohlenmonoxid der bei weitem gefährlichste Bestandteil. Die Menge des gebildeten Rauches hängt ebenso wie seine Zusammensetzung von dem brennenden Stoff ab.

Qualm

Qualm ist ein sehr dichter Rauch, in dem neben Brandgasen und festen Teilchen in Nebelform auftretende Pyrolyse- und Destillationsprodukte enthalten sein können.

Neben den Brandgasen, sowie den Pyrolyse- und Destillationsprodukten, die beim Brennen entstehen, können durch die Einwirkung des Brandes auf die Umgebung, z.B. durch die Zerstörung von Behältern, auch andere giftige Stoffe freigesetzt werden.

Ein Teil der Atemgifte ist brennbar.

Die physiologischen Wirkungen der Atemgifte auf den Menschen können unterschieden werden nach der
  • erstickenden Wirkung
  • Reiz- und Ätzwirkung
  • Wirkung auf Blut, Nerven und Zellen

Die Wirkungen lassen sich aber nicht immer scharf gegeneinander abgrenzen, zumal die einzelnen Atemgifte oft auch verschiedene Wirkungen nebeneinander aufweisen.

Wirkung von Atemgift


Erstickende Wirkung

Die hierzu zählenden Stoffe sind nicht als Gifte im eigentlichen Sinne zu bezeichnen. Die erstickende Wirkung ergibt sich durch die Anwesenheit der »Stickgase«, wenn diese in so hoher Konzentration auftreten, daß der für die Atmung erforderliche Sauerstoffgehalt von 15-17 Vol.% nicht mehr vorhanden ist. Dieser Zustand ist tückischerweise mit den menschlichen Sinnen nicht wahrnehmbar. Beispiele für Atemgifte mit erstickender Wirkung: Stickstoff, Kohlendioxid, Wasserstoff, Methan oder Flüssiggase.

Reiz- und Ätzwirkung

Diese Atemgifte reizen oder verätzen zum Einem die Augen und die Haut und zum Anderen die Schleimhäute der Atemwege und können zerstörend auf das Lungengewebe wirken. Die Schädigungen können noch nach einer erheblichen Latenzzeit auftreten. Beispiele für Atemgifte mit Reiz- und Ätzwirkung: Ammoniak, Brom, Schwefeldioxid, Säuredämpfe, Formalindämpfe, nitrose Gase (Stickoxide), Chlorwasserstoff.

Wirkung auf Blut, Nerven und Zellen

Diese Atemgifte gehen von der Lunge in die Blutbahn über und üben einmal auf das Blut direkt oder von ihm aus ihre schädigende Wirkungen auf Körperorgane und /oder -funktionen aus.

Beispiele für Atemgifte mit Wirkung auf Blut, Nerven und Zellen: Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Cyanwasserstoff (Blausäure), Polychlorierte Biphenyle (PCB), Dioxin.

Stoffname + Chem. Formel Wirkung Brennbar Tzünd rel. Dichte Gas/
rel. Dichte Luft
Wasserstoff H2 E ja 560 0,07
Helium He E nein - 0,14
Methan CH4 E ja 595 0,55
Ammoniak NH3 R ja 630 0,6
Neon Ne E nein - 0,7
Azetylen C2H2 B ja 305 0,9
Cyanwasserstoff HCN B ja 535 0,93
Stickstoff N2 E nein - 0,97
Kohlenmonoxid CO B ja 605 0,97
Formaldehyd CH2O R ja 420 1,0
Schwefelwasserstoff H2S B ja 270 1,2
Salzsäure HCl R nein - 1,25
Kohlendioxid CO2 B nein - 1,53
Nitrose Gase, z.B. NO2 R/B nein - 1,59
Salpetersäure HNO3 R nein - 2,2
Schwefeldioxid SO2 R nein - 2,3
Chlor Cl2 R nein - 2,5
Schwefelkohlenstoff CS2 B ja 102 2,6
Schwefelsäure H2SO4 R nein - 2,9
Phosgen COCl2 R nein - 3,4

aus Rotes Heft Nr. 28, Karl-Heinz Knorr Kohlhammer Verlag


Die Gefährlichkeit eines Atemgiftes ergibt sich aus der Konzentration und der Einwirkungsdauer. Die Beurteilung ist aber sehr schwierig, da es Atemgifte gibt, die schon in geringer Konzentration bei nur kurzzeitiger Einatmung den Tod herbeiführen, während andere Atemgifte, auch bei hoher Konzentration und langer Einwirkungsdauer, nur Gesundheitsschäden geringeren Ausmaßes verursachen.

Um eine Gefährdung auszuschließen, ist an Einsatzstellen, bei denen mit Atemgiften gerechnet werden muß, das Tragen von geeigneten Atemschutzgeräten unbedingt notwendig. Dies ist jedoch an genaue Vorgaben gebunden Der Atemschutzträger muß geeignet und entsprechend ausgebildet sein. Seine gesundheitliche Eignung ist durch einen ermächtigten Arzt nach den »Berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, Grundsatz G 26 Atemschutzgeräte durch eine Erstuntersuchung und regelmäßige Nachuntersuchungen festzustellen. Die Untersuchung ist mindestens alle 3 Jahre durchzuführen. Ist der Atemschutzträger älter als 50 Jahre, ist diese Untersuchung jährlich durchzuführen. Atemschutzgeräteträger müssen mindestens 18 Jahre alt sein. (FwDV 7). Das übrige nicht atemschutztaugliche Einsatzpersonal darf den gefährdeten Bereich nicht betreten. Hierbei sind besonders die Anweisungen des Feuerwehr - Einsatzleiters zu beachten. Ein selbständiges Vorgehen ohne oder mit ungeeigneten Hilfsmitteln kann tödlich sein.

© 2010 Arbeitskreis Notfallmedizin und Rettungswesen e.V.
an der Ludwig-Maximilians-Universität München

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