Ausbreitung
Die Gefahr einer Ausbreitung besteht u.a. beim Vorhandensein von Giftgaswolken, radioaktiven Stäuben und insbesondere bei Brandeinsätzen. Am Beispiel Brand soll die Gefahr der Ausbreitung deutlich gemacht werden.
Die Feuerwehr hat bei Bränden zunächst die Aufgabe der Menschen- bzw. Tierrettung und dann die der Brandbekämpfung.
Je nach Größe (Ausbreitung) des Brandes und Stärke der zur Verfügung stehenden Kräfte gilt es, die entsprechende Handlungsstrategien festzulegen. Als Möglichkeiten bieten sich entweder der Löschangriff oder die Verteidigung an. Der richtigen Einschätzung einer eventuell möglichen Brandausbreitung kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu.
Die Brandausbreitung ist abhängig von:
- der Ursache der Brandausbreitung,
- dem Brandverlauf,
- der Ausbreitungsform.
Ursachen der Brandausbreitung können sein:
- bauliche Mängel,
- ungeschützte Öffnungen in sog. Brandwänden,
- ungeschützte Leitungsdurchführungen durch verschiedene Brandabschnitte,
- zu geringe Abstände zwischen Gebäuden,
- die Verwendung von ungeeigneten Baustoffen.
- betriebliche Mängel,
- durch Keile offengehaltene Feuerschutztüren,
- abgeschaltete Brandmelde- und Löschanlagen,
- unvorschriftsmäßige Lagerung leichtbrennbarer Stoffe.
- taktische Fehler der Löschkräfte.
Um die von der Ausbreitung eines Brandes ausgehende Gefahren transparenter zu machen, ist es sinnvoll, den Brandverlauf einmal genauer zu betrachten. Die meisten der Brände verlaufen nach diesem oder ähnlichem Muster.
Fast alle Brände beginnen klein. Es brennt zunächst wenig, z.B. ein Papierkorb o.ä.. Dann greift das Feuer auf immer mehr Gegenstände über, bis letztendlich das ganze Gebäude in Flammen steht. Dieser Brandverlauf wird in der nachfolgenden Grafik dargestellt.

aus Kohlhammer, die Roten Hefte Nr. 28
Es sind vier Phasen zu erkennen.
Zuerst die Zündphase, in dieser steigt die Temperatur an bis die Zündtemperatur des brennbaren Stoffes erreicht ist. Hieran schließt sich die Schwelbrandphase an, deren Charakteristikum der Sauerstoffmangel ist. Dieser führt zu einer unvollständigen Verbrennung mit geringem Temperaturanstieg und der Gefahr der Freisetzung von Atemgiften. Die vorhandenen Temperaturen sind ausreichend, um andere im Raum befindliche brennbare Stoffe thermisch aufzubereiten. Bei plötzliche Sauerstoffzuführung (Öffnen einer Türe, Platzen von Scheiben usw.) kommt es dann zum schlagartigen Durchzünden der gebildeten Schwelgase. Dieser Vorgang wird als flash over bezeichnet.
Nun ist der ganze Raum vom Feuer erfaßt, es entwickelt sich ein Vollbrand. Mit Abnahme der brennbaren Stoffe klingt auch der Brand langsam ab, bis er letztlich zum Erlöschen kommt.

BF München Bildstelle
Der voll entwickelte Brand bleibt selten auf den Raum des Brandausbruchs beschränkt. Es ist deshalb vorteilhaft, die Vorgänge, die zu einer Brandausbreitung führen können, zu kennen.
Hier sind zu nennen:
Ausbreitung durch Wärmeleitung
Wenn ein Bauteil an einem Ende erwärmt wird, stellt sich nach einer bestimmten Zeit auch am anderen Ende eine erhöhte Temperatur ein. Wie schnell dieser Vorgang abläuft, hängt vom jeweiligen Stoff ab.
Ausbreitung durch Wärmeströmung (Konvektion)
Wärmeströmung ist an flüssige oder gasförmige Stoffe gebunden. Mit zunehmender Erwärmung wird ihre Dichte geringer und sie steigen auf. Im Brandfall werden die heißen Brandgase einen großen Teil der entstandenen Wärme abführen. Kommt es dann im oberen Teil eines Gebäudes zu einem Wärmestau, besteht die Gefahr, daß dort die Zündtemperatur erreicht wird und es zu einem erneuten Brand kommt.
Ausbreitung durch Wärmestrahlung
Wärmestrahlung ist nicht an eine Materie gebunden, sondern breitet sich frei im Raum aus. Verdoppelt sich die absolute Temperatur, so steigt die Menge der ausgesandten Strahlung um das sechzehnfache an!
Ausbreitung durch Funkenflug und Flugfeuer
Als Funkenflug werden glühende Kleinstteilchen bezeichnet, die mit den heißen Brandgasen aufsteigen und je nach Windrichtung an einem anderen Ort zu Boden sinken. Befindet sich dort ein leicht entzündbarer Stoff, kommt es zu einer Brandausbreitung. Dem Flugfeuer liegt der gleiche Mechanismus zugrunde. Die brennend wegfliegenden Teile sind jedoch wesentlich größer, so daß die Zündgefahr natürlich erheblich größer ist.
Ausbreitung durch Feuerbrücken und Feuerüberschlag
Als Feuerbrücken werden Gegenstände bzw. Materialien verstanden, die es dem Feuer ermöglichen, von einem Gebäude zum anderen überzugreifen. Ein Feuerüberschlag findet stets von unten nach oben statt. Wenn z.B. die aus dem Fenster schlagenden Flammen die darüber liegenden Fenster zum Platzen bringen, kann das Feuer auch in diese Etage eindringen und diese in Brand setzen.
Die Kenntnis der Gefahren der Ausbreitung kann davor schützen, sich an einem Ort in Sicherheit zu wiegen, der potentiell sehr gefährlich ist.
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